Deutschland: Immobilienmarkt 2025 – Stabilisierung trotz großer Herausforderungen

Marktentwicklung: Erste Anzeichen einer Erholung

Nach einem schwierigen Abschwung seit 2022 zeigen sich im Jahr 2025 klare Stabilisierungstendenzen auf dem deutschen Wohnimmobilienmarkt. Laut dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (GREIX) sind die Immobilienpreise im ersten Quartal 2025 im Vergleich zu Q4 2024 spürbar gestiegen – zum Beispiel um +1,0 % bei Wohnungen.
Auch die VDP-Immobilienpreis-Indexdaten zeigen für Q2 2025 ein Plus von +3,9 % im Jahresvergleich.
Darüber hinaus meldete der Q2-Markt eine starke Dynamik: Die Preise stiegen um +3,2 %.

Zinssituation und Finanzierung

Einer der entscheidenden Treiber für die Erholung ist die moderatere Zinsentwicklung. Aktuell liegen Hypothekenzinsen bei etwa 3,0 %–3,8 %, was die Finanzierung für Käufer attraktiver macht.
Allerdings warnt die Commerzbank: Ein weiterer Zinsanstieg könnte die Erholung wieder bremsen insbesondere, weil die Nachfrage noch fragil ist.
Laut der OECD hat die vorherige Zinsspitze bereits zu deutlichen Preisrückgängen geführt, das Risiko weiterer starker Korrekturen gilt inzwischen aber als begrenzt.

Wohnungsbau: Versorgungslücke bleibt groß

Trotz des Preisanstiegs bleibt die Bautätigkeit eine große Herausforderung: Die Zahl der Baugenehmigungen ist deutlich niedriger als eigentlich nötig, um den steigenden Wohnungsmangel zu decken.
Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) schätzt, dass rund 320.000 neue Wohnungen pro Jahr nötig wären, um den Wohnraumbedarf bis 2030 zu decken.
Gleichzeitig gibt es innovative Ansätze im Neubau, um die Baukosten zu senken (zum Beispiel durch serielles Bauen, kleinere Grundrisse oder einfachere Ausstattung).

Mietmarkt: Druck bleibt bestehen

Der Mietwohnungsmarkt zeigt weiterhin hohe Nachfrage: In vielen Großstädten stiegen die Mieten deutlich, besonders bei Neuverträgen.
Bei den Spitzenmieten („Prime Rents“) in A-Lagen liegt der Quadratmeterpreis inzwischen bei über 36 €/m².
Vor allem in Metropolen bleibt das Thema „bezahlbares Wohnen“ akut.

Investitionsmarkt: Mehr Transaktionen, aber kleineres Format

Auf dem Investmentmarkt für Wohnimmobilien gibt es eine deutliche Richtungsänderung: Während große Portfolio-Transaktionen rar bleiben, sind viele Investoren wieder aktiver bei selektiven Einzelobjekten oder „Forward“-Deals.
Das Investitionsvolumen bei Mehrfamilienhäusern steigt wieder: Bis Ende Q3 2025 wurden rund 6 Mrd. EUR an Transaktionen bei Wohnimmobilien getätigt – ein Plus von etwa 25 % im Vergleich zum Vorjahr.
Die Spitzenrenditen (Prime Yields) in den sieben größten deutschen Städten bleiben stabil bei etwa 3,40 %.

Risiken & Ausblick

Risiken:

  • Zinsrisiko: Wenn die Zinsen wieder stark steigen, könnte das die Kaufnachfrage einschränken.
  • Bauverzögerungen: Genehmigungsverfahren und hohe Baukosten bremsen den dringend benötigten Wohnungsneubau.
  • Regulatorische Unsicherheit: Gesetzliche Eingriffe (z. B. Mietkontrollen oder Einschränkungen bei kurzfristigen Vermietungen) könnten das Investitionsklima beeinflussen.
  • Ungleichgewicht Stadt vs. Land: Während Metropolen eine Erholung erleben, könnten ländliche Regionen deutlich weniger profitieren.

Chancen:

  • Für Käufer mit langfristiger Perspektive könnten aktuell moderate Zinsen und steigende Preise eine gute Einstiegsgelegenheit sein.
  • Für Investoren sind selektive Neuentwicklungen (z. B. Forward-Deals) sehr attraktiv.
  • Der Druck auf die Politik könnte mittelfristig zu weiteren Reformen führen, z. B. bei der Förderung von Bau oder bei schnelleren Genehmigungsverfahren.

Fazit

Der deutsche Immobilienmarkt steht 2025 an einem Wendepunkt: Nach einer Phase deutlicher Korrektur kristallisieren sich nun stabile Aufwärtstendenzen bei Preisen und Investitionen. Zwar bestehen weiterhin große strukturelle Herausforderungen, vor allem beim Neubau und bei der Finanzierbarkeit, doch die aktuellen Rahmenbedingungen schaffen Raum für eine nachhaltige Erholung. Für Marktteilnehmer (Privatkauf, Investoren, Projektentwickler) gilt: Jetzt genau hinschauen, wo sich Chancen eröffnen – und gleichzeitig die Risiken im Blick behalten.